Himbeere
„NICHT SO VIEL, NICHT ZU WENIG“

Lassen Sie uns ein bisschen herumlaufen, hier gibt es ein Café, sehen Sie? Menschen aus vielen Ländern kommen hierher, um sich wie zu Hause zu fühlen, stellen Sie sich all die Rezepte vor, die sie kennen müssen, und die verschiedenen Arten, sie zu kochen, Luise hatte ihre eigene Art, es zu tun:
Im Winter die Hefe-Nuss-Zöpfe und Streuselkuchen oder die Kuchen mit den eingelegten Kirschen aus dem vergangenen Sommer. Und dann im Frühjahr Erdbeerkuchen. Frische Früchte. Und es fehlte nicht an Sahne. Gibt es einen schöneren Duft als frisch gebackenen Kuchen. Er schwebte immer in dem kleinen Holzhaus, in dem Luise mit ihrem Mann lebte.
Omas Kuchen waren legendär. Insbesondere der Käsekuchen. Als ich schon erwachsen war und Oma Luise nach ihrem ersten Schlaganfall sich nicht mehr viel bewegen und nur schwer verständlich sprechen konnte, fragte ich Luise nach dem Rezept. Denn ich wollte unbedingt diese Tradition weiterführen. Und Luise sagte: „Du nimmst etwas Mehl“ – „Wie viel Oma?“ – „Nun ja, so viel“ und sie formte mit ihren Händen einen imaginären kleinen Mehlhügel. „Wie viel ist das?“ fragte ich. Und sie meinte: „Nicht so viel, nicht zu wenig“. Und ich wusste, es war hoffnungslos. Es gab kein Rezept mit Gramm-Angaben. Es gab Jahrzehnte von Erfahrung. Hunderte von Käsekuchen, die einfach aus der ewigen Wiederholung entstanden waren. Aber definitiv die besten der Welt.